Für Unternehmer:innen und vermögende Privatpersonen


Auf unserem Kanal finden Unternehmer:innen und vermögende Privatpersonen mit komplexeren und weniger komplexeren steuerlichen Themen praxisnahe Antworten auf verschiedenste Fragen.

Wir erklären steuerliche Herausforderungen verständlich, professionell und auf den Punkt – ohne Fachjargon, aber mit fundierter Expertise.

Ob Betriebsprüfung, Unternehmensnachfolge oder Wegzug ins Ausland: unsere Videos bieten Orientierung, zeigen Handlungsmöglichkeiten und geben Impulse für sichere Entscheidungen.

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Unternehmensnachfolge meistern: Der strategische Fahrplan für Ihr Lebenswerk

Die Frage der Unternehmensnachfolge ist eine der emotionalsten und komplexesten Herausforderungen, denen sich Unternehmerinnen und Unternehmer im Laufe ihrer Karriere stellen müssen. Da jedes Unternehmen unweigerlich an den Punkt kommt, an dem die Führung in neue Hände übergeben werden muss, ist eine frühzeitige und strukturierte Vorbereitung der einzige Weg, um den Fortbestand des Betriebs und den Familienfrieden langfristig zu sichern.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Keine Denkverbote: Prüfen Sie alle Optionen – vom Verkauf über die Schenkung bis hin zur Vererbung oder Aufgabe des Betriebs.
  • Selbstschutz geht vor: Sichern Sie Ihre eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit und Altersvorsorge ab, bevor Sie Vermögen übertragen.
  • Werte vor Steuern: Planen Sie die Nachfolge primär nach wirtschaftlicher und familiärer Logik; steuerliche Optimierung ist wichtig, sollte aber nie das Hauptmotiv sein.
  • Sofortiges Handeln: Erstellen Sie umgehend ein Testament als Notfallplan, da dieser jederzeit anpassbar ist.
  • Transparente Kommunikation: Reden Sie offen mit der Familie über Ihre Pläne, um Erbstreitigkeiten nach dem Tod vorzubeugen.
 

Welche grundsätzlichen Szenarien sollte ich in Betracht ziehen?

Wenn Sie sich mit der Nachfolge beschäftigen, sollten Sie sich zunächst von jeglichen Denkverboten befreien. Es gibt in diesem Prozess kein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern nur die Lösung, die zu Ihrer individuellen Situation passt. Stellen Sie sich alle möglichen Szenarien ganz konkret vor: Möchten Sie das Unternehmen innerhalb der Familie vererben oder verschenken? Kommt ein Verkauf an externe Investorinnen oder Investoren infrage? Oder ist die Aufgabe des Unternehmens der sinnvollste Weg?

Dabei müssen Sie sich harten Fragen stellen: Ist die Altersvorsorge für Sie und Ihre Lebenspartnerin oder Ihren Lebenspartner gesichert? Hat die Firma in der Hand der Familie überhaupt eine Zukunft, und wer wäre die ideale Nachfolgerin oder der ideale Nachfolger? Ein externer Berater kann Ihnen dabei helfen, diese Gedanken zu strukturieren und Impulse zu geben, doch die finalen Antworten müssen Sie als Unternehmerin oder Unternehmer selbst finden.

 

Schenken oder Vererben: Warum ist Kontrolle so wichtig?

Häufig erweist sich die Schenkung zu Lebzeiten als der klügere Weg gegenüber dem Vererben nach dem Tod. Der Grund liegt in der Gestaltbarkeit: Einen Schenkungsprozess können Sie aktiv steuern und an Bedingungen knüpfen, während der Tod ein abruptes Ereignis ist, das keine Korrekturen mehr zulässt.

Ein strategisches Argument für die Schenkung ist die Befriedung der Familie. Durch frühzeitige Geldgeschenke können Sie beispielsweise pflichtteilsberechtigte Familienmitglieder dazu bewegen, im Gegenzug auf ihre Pflichtteilsansprüche zu verzichten. Zudem laufen bei einer unentgeltlichen Übertragung zu Lebzeiten wichtige Fristen an: Nach zehn Jahren wird das verschenkte Unternehmen bei der Berechnung von Pflichtteilsergänzungsansprüchen in der Regel nicht mehr berücksichtigt, was das Unternehmen vor Liquiditätsabflüssen durch Erbstreitigkeiten schützt.

 

Warum Sie sich selbst schützen müssen, bevor Sie andere absichern

Ein zentraler Aspekt, der oft im Eifer der Nachfolgeplanung vergessen wird, ist die eigene wirtschaftliche Freiheit. Schützen Sie sich selbst, bevor Sie andere schützen. Es ist essenziell, dass Sie nur so viel verschenken, dass Ihre eigene Unabhängigkeit gewahrt bleibt.

Das Ziel sollte sein, dass Sie selbst im hohen Alter, beispielsweise mit 95 Jahren, noch finanziell so stark aufgestellt sind, dass Sie Ihre Entscheidungen eigenständig treffen können und über das notwendige Vermögen für Ihren Lebensabend verfügen. Erst wenn Ihre Versorgung und die Ihrer Ehegattin oder Ihres Ehegatten sowie unterhaltsbedürftiger Kinder zweifelsfrei gesichert ist, sollten Sie über die Übertragung von Betriebsvermögen nachdenken.

 

Warum das Steuerrecht zweitrangig ist

Einer der wichtigsten Ratschläge für die Nachfolgeplanung lautet: Das Steuerrecht darf niemals an erster Stelle stehen. Es ist verlockend, Entscheidungen primär nach der Ersparnis auszurichten, doch dies führt oft zu Strukturen, die wirtschaftlich oder familiär instabil sind. Fragen Sie sich stattdessen: Wie würde ich das Unternehmen übertragen, wenn es in Deutschland gar keine Steuern gäbe?

Konzentrieren Sie sich auf die wirklich relevanten Fragen: In welche Hände gehört das Unternehmen, damit es ihm künftig gut geht? Wer hat den nötigen Spaß und die Kompetenz, das Erbe fortzuführen? Wie wichtig sind Ihnen der Erhalt von Arbeitsplätzen, die Reputation der Familie oder gemeinnützige Zwecke, die Ihnen am Herzen liegen? Steuerprofis können Ihre Vorstellungen später immer noch optimieren, aber die Grundstruktur muss auf Ihren außersteuerlichen Zielen fußen.

 

Einfachheit statt Komplexität

Keep it simple. Eine Struktur zur Nachfolge muss für Sie verständlich und für Ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger handhabbar sein. Wenn Sie das Modell selbst nicht durchdringen, ist es wahrscheinlich nicht das richtige für Sie.

Ein warnendes Beispiel sind Genossenschaftsmodelle, die jahrelang als Geheimtipp galten, nun aber zunehmend auf Widerstand bei Finanzbehörden und Gerichten stoßen. Setzen Sie lieber auf bewährte, transparente Strukturen, die keinen „steinigen Weg“ bei der nächsten Betriebsprüfung oder vor dem Finanzgericht vorzeichnen.

 

Wie vermeide ich Streit in der nächsten Generation?

Ein klassischer Fehler in der Nachfolge ist der Versuch der absoluten Gleichbehandlung durch gemeinsame Beteiligung aller Kinder am Unternehmen. Dies führt oft dazu, dass Geschwister, die vielleicht gar nicht miteinander harmonieren, „auf Gedeih und Verderb“ in einer Firma gefangen sind. Unterschiedliche Interessen können das Unternehmen in einem solchen Fall zwischen den Erben zerreiben.

Suchen Sie stattdessen nach kreativen Wegen der Gleichstellung: Beteiligen Sie vielleicht nur das Kind am Unternehmen, das auch operativ tätig sein möchte, und finden Sie für die anderen Kinder Ausgleiche durch Renten, Vermächtnisse oder privates Vermögen. So bekommt jedes Kind sein eigenes „Päckchen“, ohne die Handlungsfähigkeit des Betriebs zu gefährden.

 

Der Notfallplan: Warum Sie noch heute zum Stift greifen sollten

Der wichtigste Baustein jeder Nachfolgeplanung ist ein Testament, und zwar sofort. Da der Prozess der Nachfolgegestaltung einige Zeit in Anspruch nehmen kann, benötigen Sie für die Zwischenzeit eine Absicherung. Das Testament fungiert als Ihr Notfallplan, falls unvorhergesehene Ereignisse eintreten.

Haben Sie keine Angst vor der Endgültigkeit: Ein Testament ist jederzeit änderbar. Für den Anfang reicht ein komplett handschriftlich verfasstes und unterschriebenes Dokument völlig aus. Es gilt die Devise: Besser ein schlechtes Testament als gar keines. Denken Sie jedoch daran, dass ein Dokument allein keinen Familienfrieden schafft. Reden Sie offen über Ihren Willen und die Hintergründe Ihrer Entscheidungen, damit nach Ihrem Tod Klarheit herrscht und keine Erbstreitigkeiten entstehen. Sorgen Sie zudem dafür, dass das Testament im Ernstfall gefunden wird, indem Sie es beim Amtsgericht hinterlegen.

Zur vollständigen Vorsorge gehören neben dem Testament auch eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht. Da sich Lebensumstände ändern, sollten Sie diese Dokumente alle fünf bis zehn Jahre hervorholen und prüfen, ob sie noch aktuell sind.

 

Fazit

Die Vorbereitung auf die Unternehmensnachfolge ist ein tiefgreifender Prozess, der Mut zur Ehrlichkeit und strategische Weitsicht erfordert. Indem Sie sich von steuerlichen Zwängen lösen, die eigene Versorgung priorisieren und auf Einfachheit sowie offene Kommunikation setzen, legen Sie das Fundament für eine erfolgreiche Übergabe. Ein Testament als sofortiger Notfallplan sichert Sie ab, während Sie in Ruhe die langfristigen Weichen für Ihr Lebenswerk stellen.


 

Fragen und Antworten

Soll ich mein Unternehmen besser verschenken oder vererben?

Eine Schenkung zu Lebzeiten lässt sich deutlich besser steuern und mit Bedingungen verknüpfen als der Erbfall. Zudem wird die Schenkung nach Ablauf von zehn Jahren nicht mehr bei etwaigen Pflichtteils(ergänzungs)ansprüchen berücksichtigt.

 

Warum ist ein „Notfall-Testament“ sofort notwendig?

Da die Planung einer Nachfolge oft über ein Jahr dauert, dient ein sofortiges (auch handschriftliches) Testament als Absicherung für unvorhergesehene Ereignisse in der Zwischenzeit.

 

Sollte ich alle Kinder am Unternehmen beteiligen, um sie gleichzubehandeln?

Experten raten davon ab, alle Kinder „auf Gedeih und Verderb“ in einer Firma zu fesseln. Gleichbehandlung kann besser durch Renten oder Vermächtnisse erreicht werden, um das Unternehmen vor internen Interessenkonflikten zu schützen.

 

Sie haben Fragen zu diesem Thema? Kontaktieren Sie uns gerne: steuerimpuls@streck.net

Dr. Jens Stenert
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Steuerberater
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